Roman, Geschichte: Der neue Job
Master -- 08. Okt 2005
Zurück zu Detektei Kobold. Oft noch denk ich an Frau Lalüg. Sie war meine Briefträgerin und übergab mir damals den Brief, mit dem alles anfing.
Der Brief offerierte mir einen Job bei „Cäsar Bär, Institut für vertrauliche Ermittlungen”. Ich vermutete - zu Recht, wie sich später herausstellte, dass es sich dabei um eine Detektei handelte. Dies war nicht gerade ein Traumjob eines Doktors für Anthropologie, aber ich hatte mich als Taxifahrer und Kneiper durchs Leben geschlagen. Da war mir jeder Job recht.
Ich sollte, so schrieb man mir, über die Brücke am Räubergrund gehen. Und den Brief mitbringen
Der Räubergrund ist ein kleiner Weg, der in keinen Braunschweiger Stadtplan zu finden ist. Aber viele, vor allem Kinder, nennen ihn so. Er verläuft zwischen Inselwall und Neustadtmühlengraben. Eine kleine Brücke führt zu einem großen grauen Gebäude, in dem sich heute die Berufsschule Inselwall befindet. Es scheint die einzige Brücke über den Graben zu sein.
Wer aber Cäsar Bärs Wallvilla sucht, findet noch eine zweite Brücke.
Ich war daher bass erstaunt, als ich die zweite Brücke sah. Ich hatte hier als Kind gespielt und nie eine weitere Brücke gesehen. Die Brücke war aus Holz, sah wacklig aus und führte zu einem überwucherten Gang. Ich schritt vorsichtig über die Brücke und betrat zögernd den Gang. Die Sonne, die oben auf dem Inselwall vom Himmel knallte und auch den Räubergrund noch mäßig beschien, schien in einem anderen Universum zu sein. Unbekannte Geräusche kamen aus dem Dickicht. Langsam und vorsichtig ging ich weiter. Meine Neugier besiegte den Drang umzukehren.
Die Villa erschien plötzlich wie aus dem Nichts.
Ungefähr dort liegt sie auch, mitsamt dem Garten und der Brücke.
Obwohl der überwucherte Gang im gleichen Moment endete, verhinderten zwar hohe aber dichte miteinander verwobene Baumkronen das Eindringen von Sonnenlicht, so dass die Villa nur schemenhaft sichtbar war.
Ich fand eine steinerne Treppe die zu einem kleinen Podest hinauf führte. Hier war eine massive Holztür. Eine Kordel hing im Türrahmen. Ich zog daran. Der laute, nachhallende Gong, der in die sich inzwischen ausgebreitete Stille prallte, ließ mich zusammenzucken.
Wie von Geisterhand öffnete sich die Tür. Ich blickte in eine düstere Halle. Knarrend öffnete sich eine weitere Tür, durch die ein fader Lichtschein fiel. Ich ging auf die Tür zu, stieß sie ganz auf und trat in einen sonnendurchfluteten Raum.
Hinter einem großem Schreibtisch saß ein Mann und glotzte mich aus seinen großen Augen an. Seine übergroßen Ohren wackelten hin und her. Ich konnte nur seinem massiven Oberkörper sehen. Sein Schreibtisch ist vorn geschlossen. Aus guten Grund wie ich später erfuhr.
"Treten Sie ein, Dr. Schlechtverlust,” sagte der Mann. „Man nennt mich Cäsar Bär.”
Das ist im logischen Sinn wahr.
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